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5/14/2009

五一 Weekend

Vor zwei Wochen war der erste Mai, und wir hatten offiziell drei Tage frei (das ist aber gelogen, weil zwei davon waren sowieso Wochenende), also zumindest den Freitag. Lange waren sowohl Grosse Mauer Wanderung als auch Couchsurfing-Fahrt nach Datong geplant und gebucht, am Donnerstag 31sten stellte Alain aber einen Fehler an den Tickets fest. So begann das Abenteuer am selben Abend, als wir an den Westbahnhof fahren mussten, um die Abfahrtszeiten zu ändern. Überraschend erledigte sich selbiges schnell und problemlos und wir wandten uns frohgemut der Menschenmenge zu, die auf dem Bahnhofsplatz vor einem grossen Bildschirm sitzend einen Liebesfilm schaute.

Am Freitag war grosser Regen angesagt, aber ich glaubte es nicht und kam nur mit Pulli und Regenschirm auf die Mauer. Grosser Fehler. Es regnete fast die ganze Wanderung durch und hörte erst beim Abstieg wieder auf. Zurück in Beijing war die Luft weich und durchsichtig und der Himmel blau. (Man beachte auf unterem Foto das Fehlen von Menschen.)


Am Abend fuhren wir nach Datong. 大同 liegt in der Shanxi Provinz, sechs Zugstunden westlich von Beijing. Die Stadt wurde ca. 200 v.Chr. von der Han Dynastie gegründet und diente seinerzeit als Station auf der Seidenstrasse zwischen China und der Mongolei. Im Lauf der Zeit schlief das Städtchen immer wieder ein, wurde aber immer wieder "aufgeweckt". Datong ist "traditionell" bekannt für zahlreiche Kohlevorkommen und gilt als eine der Städte Chinas mit der schlimmsten Pollution. Ausserdem werden anfang Mai anscheinend alle Strassen aufgerissen, was den Verkehr während unseres Aufenthalts zu einem Hauptstörfaktor machte.

Die (Haupt)Sehenswürdigkeiten Datongs liegen alle nicht im Ort selber, sondern weit ausserhalb. So buchten wir Samstag morgen eine Tour zu den zwei Hauptattraktionen des Ortes (bzw der Gegend), und fuhren um 9 los zu einem 1500 Jahre alten buddhistischen Kloster, das in einer Felswand hängt. So eindrücklich es war, so rege besucht war es auch an diesem Tag; kurz gesagt, so rege besucht war es, dass wir es am selben Tag nicht mehr zu den Yungang Grotten schafften, sondern heimkehren mussten. Den Abend verbrachten wir vergnüglich beim Entdecken unseres bescheidenen Hotels (6 Stockwerke, 1 Toilette pro Stockwerk und 1 Dusche für das ganze Gebäude) und des Datonger Nachtlebens und sprangen am nächsten Morgen mehr oder weniger frisch aus den Federn, um vor dem Stau noch zu den Grotten zu gelangen, da der Zug zurück nach Beijing bereits am Mittag fuhr.


Besagte Grotten sind die eigentliche Hauptattraktion Datongs. Wie das hängende Kloster wurden sie um zwischen 460-525 herum "gebaut", bzw. in die Sandsteinwand skulptiert. Insgesamt 50'000 Buddhafiguren kann man jetzt in den 250 Grotten betrachten, die grösste 14 Meter und die kleinste nur wenige Zentimeter hoch.

Ein Foto der Grotten kann ich vorerst leider nicht aufladen, da sich die Verbindung zum Blog im Moment schwierig gestaltet.

3/07/2009

Macau

Obwohl ich nur für eine Tagesreise nach Macau übersetzte, muss ich an dieser Stelle eine kleine Hymne auf diese kleine Stadt loslassen. Macau trägt seit dem 16ten Jahrhundert Spuren portugiesischer Besiedlung, und weil es sich im Gegensatz zu Hong Kong nie so sprunghaft entwickelt hat, steht die ganze Altstadt mit einer Festung, einer ganzen Menge Kirchen und einem alten protestantischen Friedhof noch in ganzer kolonialer Pracht. Von Macau aus begann Portugal den Handel mit China, lange bevor England kam und mit seinem Opium alles durcheinander brachte. In Macau sind auch die ersten Spuren von Missionaren und vom Aufeinandertreffen christlicher und asiatischer Kultur zu finden. Besonders schön manifestiert sich das in der Haupt-Touristen-Attraktion der Stadt, der Fassade der St. Paulus Kirche.


Und dann sind da natürlich noch die Casinos... Nach vielen Stunden hin und her durch die Gässchen und Plätzchen der Stadt schaute ich kurz vor der Abreise noch ins Casino Lisboa hinein, aber zum Spielen reichte die Kühnheit nicht. Und so flitzte ich müde mit der Fähre zurück nach Hong Kong Island.

Hong Kong

Vor etwa einem Monat schritt ich in Shenzhen über die Grenze ins Gelobte Land Hong Kong, und fand mich erstmal im Grünen; und da blieb ich auch, als ich zur Familie Brandner an der Chinese University of HK fand, die mich gastfreundlich für die folgenden drei Wochen aufnahm. Die Universität befindet sich ausserhalb der Stadt in den New Territories, die mit den Outlying Islands zusammen den allergrössten Teil von Hong Kongs Landesfläche ausmachen. Die urbane Fläche beschränkt sich auf 7% des Territoriums. Aber was für 7%!

Ich genoss erstmal eine Woche belangloses Herumbummeln durch die gedrängten Gassen Kowloons und zwischen den gedrängten Wolkenkratzern auf Hong Kong Island. Ja, es ist wahr, alles ist wie auf den Postkarten und in den Filmen, und noch viel besser. Auch wenn mir die Stadt zuerst Angst gemacht hatte: Hong Kong ist die perfekte Mischung zwischen traditionellem Chinesentum und moderner Infrastruktur; eine saubere und effiziente U-Bahn, Kantonesisch, Mandarin und Englisch überall zu hören, Sicherheit, Religionsfreiheit, Medienfreiheit, Tempelwahrsager, Cheongsams als Souvenirs und die allgegenwärtige Verherrlichung des Geldes (An den Strassenecken und in der U-Bahn kann man den Börsenkurs verfolgen). Alles ist so kompakt, dass man ebenso schnell ins Gewühl getaucht wie hinaus ins Grüne enthüpft ist, und ich zelebrierte einmal mehr die Wiederentdeckung von Düften und Pflanzen und Tieren und Hügeln (gibts ja in Peking auch ... wenn man 2 Stunden hinausfährt; ansonsten ist es da vor allem flach, grau und trocken). Meine Beziehung zu Beijing zerfiel zu Wüstenstaub in diesem völlig vergessenen Klima der Selbstverständlichkeit, Unkompliziertheit und Vertrautheit.

Brandners päppelten mich lieb mit Schweizerdeutsch und Zopf. Eine Schweizer Familie in den Tropen, allzu fern liegt der Vergleich zu der Côte d'Ivoire ja nicht, und alles hier wollte mich an alles dort erinnern, bis zu Details wie der trächtigen Katze, die drei so kleine herzige Kätzli gebar, und den Mangos am Morgen und und und. Schon seit 12 Jahren lebt die Familie in Hong Kong. Tobias arbeitet für die Mission 21 als Gefängnispfarrer und unterrichtet an der CUHK. Hier ist ein Link zu einer Reportage vom Schweizer Fernsehen über seine Arbeit. Er nahm mich einmal mit zu einem Gottesdienst in einer sehr jungen Gemeinde, wo er auf Kantonesisch über seine Arbeit erzählte. Christentum scheint in zu sein in Hong Kong. Seine Frau Gabi kümmerte sich lieb um mich und half mir, mich in der Stadt und mit meiner inneren Verwirrtheit zurecht zu finden. Sie stellte mir die lokale Unart vor, Kaffee mit Tee gemischt als Getränk zu geniessen, und werweisste mit mir über Wolkenkratzer mit Seesicht.

Durch sie hatte ich während meinem Aufenthalt auch Gelegenheit, etwa 10 Tage in einem Aufnahmezentrum zu arbeiten für Haushelferinnen aus Indonesien, die mit ihrem Arbeitsgeber in einem Gerichtsstreit stehen und darum obdachlos sind (denn die Hausangestellte lebt mit der Familie zusammen); Im Shelter, der von der Mission 21 mitfinanziert wird, finden sie ein Bett und Unterstützung bei der Suche nach einem Anwalt. Ich durfte Englisch Unterricht geben (Lieder singen) und zweimal haben wir Muffins gebacken. Ansonsten hab ich vor allem den Geschichten der Frauen und der zwei lieben Leiterinnen (auch zwei Indonesierinnen) zugehört. Einfach aufnehmen...

An meinem letzten Tag in Hong Kong wanderte ich auf der Insel Lantau an einem Riesenbuddha und einem Nonnenkloster vorbei und traf - last but not least - zwei Couchsurferinnen zum z'Nacht, die so kurz vor meiner Abreise doch noch ein paar freie Stunden in ihrem Kalender gefunden hatten. Eine Freundin von ihnen gab mir in meinen letzten Stunden gar noch eine Führung durch die verschiedenen Campusse der Uni; Es stellte sich heraus, dass sie am selben Ort wie Tobias arbeitet... so klein ist die Welt auch in Hong Kong.

2/17/2009

Hangzhou (29. Januar bis 2. Februar)

Von Yantai musste ich schon nach drei Tagen wieder los, mit der letzten Couchette, die von der kommenden Woche noch gefunden ward. Die Familie verabschiedete mich so herzig, dass ich mir ganz schlecht vorkam, weil ich mich drei Tage lang nur hatte verwoehnen lassen. Bei jedem Nachpruefen, ob ich auch wirklich genug zu essen dabei hatte, packten sie mir noch mehr ein, bis ich wirklich keinen Platz mehr fuer mehr Aepfel, Wuerste (die in ihrem duennen Plastiksack meinen ganzen Rucksack dauerhaft parfuemierten), Mianbao (Brot) und Fertignudeln uebrig hatte. Die 28 Stunden-Fahrt nach Hangzhou (suedl. von Shanghai) war der laengste Streckenabschnitt.

Ich hatte vier Tage vorher die letzte Couchette, ganz oben im hintersten Abteil des letzten Zugwagens gebucht und beging die Reise frohen Mutes. Schlimmer als neben der Latrine auf dem Koffer zu sitzen (wie ich die halbe Strecke nach Yantai verbracht hatte) konnte keine Zugfahrt in China mehr werden. Die Couchettenfahrt erwies sich aber dank eines trinkenden Philologen, der mir erst redender und anschliessend schnarchenderweise die Ruhe stahl, als kaum angenehmer als wenn ich sitzenderweise gereist waere. Vor dem Zugfenster beobachtete ich den langsamen Wechsel Landschaft; die roten Neujahrslampions und Tuerrahmenverziehrungen stachen aus dem vorherrschenden Graubraun der Haeuser und Felder heraus, und in der Nacht sah ich gelegentlich noch Feuerwerke in der Ferne. Am naechsten Morgen waren wir in Shanghai, und es regnete. Alles war immer noch flach, aber immerhin ein bisschen gruener als im kahlen Norden.

Im letzten "Doerfchen" vor Hangzhou stieg ich aus, wo Freunde von Jiangs mir vorzeitig ein Billet fuer Guangzhou gekauft hatten. Sie zeigten mir Haining, ein verschlafenes Nest von etwa 600'000 Einwohnern, und fuehrten mich zum Ufer des Qiantang Fluss, wo eine Wassermauer den Fluss heraufdonnerte, ein Phaenomen das nur etwa zweimal im Monat, zu Voll- und Neumond so deutlich sichtbar vorkommt. Mao Zedong selber soll ebenfalls einst dortgestanden und dazu etwas Grandioses geaeussert haben. Wir passierten auch charming Yanguan (eine enspanntere Miniversion Suzhous) und warfen einen Blick in das groesste Lederoutlet der Welt - eine riesen Shoppingmall voller Lederartikel aller Art, frisch von der Fabrik. Ein Magnet fuer Russen und Chinesen gleichsam (obwohl letztere oft aus buddhistischen Gruenden nicht kaufen, zumindest laut meinem Fuehrer Zhang).

Am Abend kam ich todmuede (der Zustand soll sich noch lange halten) in Hangzhou an und fand in Kristina von couchsurfing.com eine vortreffliche Gastgeberin. Die naechsten Tage schliefen wir morgens lang aus und trafen uns abends wieder zum Kochen, langen Diskussionen ueber Gott, Buddhismus und Tibet, das sie auf eigene Faust schon mehrmals bereist hat, und zum "Rome" schauen. (Zudem machte sie mich mit dem lonely planet-Backstein ueber China bekannt. =) In Suedchina sind die Winter paradoxerweise haerter als im Norden, weil die Haeuser nicht mit Heizungen ausgestattet sind. In Kristinas Wohnung war es eisig, ich musste mehr anziehen als in Yantai oder Beijing, und die Kleider, die ich dort wusch, trockneten teilweise erst in Hong Kong ganz fertig.

Hangzhou hat eine der beruehmtesten Sceneries Chinas: ein Sprichwort sagt “上有天堂 - 下有苏杭”, das heisst "Im Himmel ist das Paradies - auf Erden sind Suzhou und Hangzhou". Die Huegel im Suedwesten der Stadt sind bebaut mit Pagoden und Tempeln aus den verschiedensten Epochen und von den verschiedensten Herrschern und Kaisern, und am prachtvollen West Lake mit den herzigen Inselchen baute sich mancher Beamter, Fuerst und Dichter ein Anwesen, einen Pavillon oder ein Dammweglein am See entlang (oder gleich ueber den See) zum Promenieren. Nicht umsonst heisst der chinesische Begriff fuer eine harmonische Landschaft “有山, 有水”, "mit Bergen und Wasser". Die Stadt ist zu jeder Jahreszeit gepackt mit Touristen aus ganz China, auch im Winter, weil das fuer viele Chinesen dank Fruehlingsfest die optimalste (einzige) Reisezeit darstellt. Der Westsee ist gespickt mit Booten, die Ufer dicht bevoelkert und bis tief in die Huegel schwaermen die schwatzenden Reisegruppen, um einen Blick auf die Longjing-Teefelder zu werfen. Hangzhou ist auch beruemt fuer Seide, und die Schoenheit der Frauen soll landesweit bekannt sein.

Nach drei Tagen zog ich von Kristina los, die Wuerste und den Rest des sauren Changyu-Wein aus Yantai zuruecklassend. Im Zug tauschte ich als erstes mein Sitz-Billet in eine Couchette um. Diesmal waren keine harten Betten in 6er Abteilen, nur weiche in 4er zum doppelten Preis uebrig. So goennte ich mir eine fast bequeme Fahrt nach Guangzhou, wo ich gleich den naechsten Zug nach Shenzhen nahm. Zufaellig rief die Kanada-Basis an, so konnten sie ueber Google Earth gemeinsam mit mir ueber die Grenze nach Hong Kong.

2/05/2009

Yantai

Fuer das Fruehlingsfest reiste ich am 24ten Januar von Peking teils stehend, teils sitzend ins 18 Zugstunden entfernte Yantai. In dieser vertraeumten Hafenstadt in der Shandong Provinz, am oestlichsten Spitzlein Chinas gelegen, lernte ich auf der Chinareise im Fruehling 2007 im Rahmen eines kurzen Schueleraustausches Jiang Suyu, meine erste Festland-Freundschaft kennen. Wir hatten ein freudiges Wiedersehen nach knapp zwei Jahren, und ich durfte entspannte drei Tage mit der ganzen Familie verbringen. Das Fruehlingsfest wird traditionell mit der Familie gefeiert. Am 25ten kamen Grosseltern, Onkel, Tante und Cousine im Hause Jiang zusammen, und dadurch, dass ich diesmal mit allen direkt kommunizieren konnte, konnte ich viel unmittelbarer am Geschehen teilnehmen. Tatsaechlich hatte ich nur mit dem starken Yantai-Dialekt des Grossvaters ein bisschen Muehe. ;)

Das Sylvestermenu war sehr vielfaeltig und alles hausgemacht. Natuerlich war sehr viel Seafood dabei, darunter riesige Crevetten, viel Fisch, Muscheln, viel Gemuese ... und fettige Schweinsfuesse als einziger "no-go" fuer mich (was einigen Verwandten, die in den naechsten Tagen vorbei kamen ganz unverstaendlich erschien). Das Feuerwerk-Gekrache in den Strassen, das schon am Nachmittag begonnen hatte, wurde im Verlauf des Abends immer lauter und nach dem Essen taten wir das unsere dazu: Der Vater hatte eine Art ueberdimensionale Frauenfuerze und wahrhaft laute Knaller gekauft, beide werden traditionell zur Abwehr boeser Geister losgelassen. Wir hatten aber auch ein paar schoene Raketen und grosse bengalische Zundhoelzer. Danach verabschiedeten sich die Gaeste auch bereits. Ich half der Mutter bei den Jiaozi fuer den folgenden Morgen. In die Dumplings werden Muenzen, Erdnuesse oder eine Mehlbeere gesteckt, die dem drauf beissenden Glueck (bzw Geld, bzw Gesundheit) im neuen Jahr bringen sollen. Anschliessend war Fernsehschauen bis 12 angesagt, das ist auch schon Tradition. Auf dem nationalen Fernsehsender lief die nationale Neujahrsshow mit einem bunten Unterhaltungsprogramm. Vielleicht, weil die Chinesen sich nicht gewoehnt sind, so lange aufzubleiben? Auch die Feuerwerke, wenn ich sie auch auf meiner ganzen Fahrt bis Hong Kong noch allabendlich sehen und hoeren sollte, verstummten spaetestens um 12.

Am 26ten, dem Neujahrsmorgen, fand ich gleich dreimal eine Muenze in meinen Jiaozi. Die obligate Bemerkung zu den Schweizer Banken musste folgen. :) Ich kann nur hoffen, dass sich das Orakel bewahrheitet (fuer mich, nicht fuer die Banken). Jiang Suyus Vater machte sich frueh auf zu traditionellen Hausbesuchen bei Freunden, Arbeitskollegen und Verwandten, Jiang Suyu nahm mich auf dem Weg in den Park zum Besuch einer befreundeten Familie, wo ich sogar einen Hong Bao zugesteckt bekam, ein rotes Couvert mit Geld fuer die juengere Generation ...

Die Zeit in Yantai verbrachte ich mehrheitlich gemuetlich zu Hause, mit ein paar Spaziergaengen an der Seaside, wo sich ein paar alte europaische und amerikanische Handelsgebaeude befinden, die schoene Mondbucht und einige Parks. Jiang Suyus Mutter zeigte mir ihr Rezept fuer Jiaozi Fuellung und ich durfte mit ihr gemeinsam kochen. Am 28ten morgens fuhr ich auch schon weiter nach Hangzhou, eine Stadt im Umkreis Shanghais. Dies war das letzte hard sleeper Billet, das fuer die naechsten Tage noch erhaeltlich gewesen war. Von Stehplaetzen hab ich erst mal genug...
*

1/24/2009

Umzug und Auszug

Vor einer Woche bin ich also umgezogen. Jetzt wohne ich 800 Meter von der Uni entfernt gleich oben an der Dawanglu-Ubahnhaltestelle im 9ten Stock, mit Sicht nach Süden über eine grosse Kreuzung. Neben mir steht die Deutsche Bank, darunter das Shin Kong Place Shoppingcenter, weiter hinten die Piazza Italiana und auf der anderen Seite eines der vielen 1000 Soho-Gebäude Pekings. Ich bin also sozusagen umzingelt von Globalisierung und infiltriere mich als Teil davon nun selber in dieses kleine chinesische Höflein. Da hat es ein paar Lädeli, ein paar öffentliche Telefone und ein paar Schinken an den Bäumen. Und zwei Liftdamen, die abwechselnd die Knöpfe drücken, bis um Mitternacht, von da an muss man Treppen steigen.
Weil bereits bewohnt (von einem Amerikaner) ist die Wohnung auch in einem ganz reinlichen Zustand (was nach fremder Leute Mieterfahrung nicht selbstverständlich ist). Ich habe ein Zimmer, eine Küche, ein Bad und eine Sonnenterrasse. Das ist vom Isolationseffekt her ganz angenehm. Bin gespannt, ob's im Sommer dann auch so funktioniert oder ob ich im Gegenteil dann einfach geröstet werde.

Kaum eingerichtet, mach ich mich wieder auf Reisen: geplant ist, das Frühlingsfest in Yantai (Shandong) zu verbringen, wo mich meine Gastschwester von der letztjährigen Chinareise eingeladen hat. Danach für einen kurzen Ticket-technischen Aufenthalt nach Hangzhou (Zhejiang) (Umsteigebillets gibts nicht, man kauft vom Ort der Abfahrt zum Ort der Ankunft, 1 way, direct), bevor ich nach Hong Kong gelange. Wie sich alles abspielen wird und wo ich am Ende lande folgt spätestens Ende Februar. Bis dahin: Frohes Frühlingsfest am 26ten Frohes Jahr des Ochsen!

1/14/2009

Frieren in Harbin

Ich weiss nicht, woran es lag. Wir hatten die Reise nach Harbin schon fast einen Monat im Sinn, drei Tage vor Abfahrt aber noch nichts als dieses Datum weiter "geplant". Nach 40 Minuten Anstehen in Wind und Kälte (gedämpft durch meine neue Daunenjacke) an jenem Freitag, 9. Januar, erlitt dann unser Traum beinahe eine Bruchlandung, als der Verkäufer Stehplätze für Samstag, 10. als einzige freie Zugbillete für die nächste Woche verkündete. Denn wie bereits früher erwähnt, ist bald Frühlingsfest: Ein jeder Chinese, der es vermag, feiert bei seiner Familie zu Hause. Diese Tatsache, und welche Bedeutung sie für die Belegung des öffentlichen Verkehr hat, ging uns ein bisschen spät auf (sh. auch den Wikipedia Artikel, 3. Abschnitt zuoberst) und liess uns kurz zögern.

Sonntag Morgen um 6:00 Uhr aber fanden wir uns zu dritt am Beijing Zhan zusammen und warfen uns ins Gewühl. Wir fanden uns als Sitzlose nicht allein, jedoch allein als Laowai (Fremde, oder nach dem Erstjahres-Chinesischbuch: "international guests") unter zu recht verwunderten Chinesen, die sogleich untereinander zu fachsimpeln begannen. Die nächsten sechs Stunden verbrachten wir auf unseren Koffern sitzend, Carolina verteidigte heroisch ihren Viertel-Quadratmeter mitten im Zugkorridor, während Reona und ich bei einer Wagentür mit Fenster fast Abteil-Qualität genossen. Für die letzten vier (bzw zwei) Stunden ergatterten wir gar echte Sitzplätze, nicht ohne Hilfe unserer neugierigen Mitfahrer, denen wir den Dienst zurück taten und geduldig alle Fragen, die ihnen zu Fremden, Englisch, Schweizer Banken und Familienpolitik (Ihr dürft einfach so viele Kinder haben, wie ihr wollt?) beantworteten. Die Thermometeranzeige liess uns nach Eindunkeln unser Fortschreiten in die mandschurischen Territorien des Landes verfolgen, bei -20 stiegen wir aus, gestärkt von der freundschaftlich geteilten letzten cup noodle soup ("We can share"). Die Fahrt war immerhin preiswert gewesen, keine 25 Franken für 1000 Kilometer Distanz.
In Harbin versuchte gleich der erste Taxifahrer uns zu bescheissen, und das wiederholte sich ausgesprochen mühsam bei ausnahmslos allen Taxifahrern in den nächsten drei Tagen. Das nicht-50-Yuan-entfernte Hotel lag nahe an einem Spiessli-Laden, wo wir z'Nacht assen (was sich ebenfalls dreimal wiederholen soll), bevor wir 累死了 - todmüde zu Bett sanken.

Harbin ist Hauptstadt der Provinz Heilongjiang, ganz im Nord-Osten Chinas, etwas höher noch als die russische Hafenstadt Wladiwostok (im Osten). Als Station der Transmandschurischen Eisenbahn gibts hier auch einiges an Spuren der kyrillischen Nachbarn zu sehen. Mit 5 Mio Einwohnern eher klein. Die Temperatur beträgt im Winter durchschnittlich -16° C. Weil im Winter noch mit Kohlen geheizt wird, sind die Strassen der Stadt schwarz, und die Böden in den Häusern auch (wenn sie nicht ständig gefegt werden). An windstillen Tagen ist der Smog noch undurchdringlicher als in Beijing. Hauptattraktion ist das jährliche, ein bis zwei Monate dauernde "Harbin International Ice and Snow Sculptures Festival" (hier zu fremden Fotos), das drei teure Eintritte in den Disney-Park in der Stadt (das haben wir uns dann doch nicht zugemutet) und die Schnee-Skulpturen-Ausstellung und "Ice and Snow World Exhibition" auf der Sun Island vor der Stadt beinhaltet. Des weiteren gibt es die zentrale Einkaufsstrasse Zhong Yang Dajie und die russisch-orthodoxe Sophienkathedrale (Shafeiya Jiaotang) zu besichtigen. Ausserdem kann man auf dem gefrorenen Songhua Jiang Schlittschuhlaufen, sich auf Skis von einem Auto herumziehen lassen, und Hundeschlitten oder Pferdekutsche fahren.

In zwei Tagen beschauten wir den Grossteil der Stadt und die Skulpturen auf Sun Island. Zunächst einmal war es wirklich eindrücklich, was sie da aus Schnee und Eis so zusammengezimmert haben, z.T. über 30 Meter hohe Skulpturen und Gebäude. Obwohl das Festival schon über eine Woche läuft, war der Schneepark noch nicht ganz fertig, und man konnte den vielen Arbeitern auf den grossen Schneeblöcken beim Gestalten zuschauen. Die Ice and Snow World zeigte etwa 50 Gebäude aus der ganzen Welt, v.a. Europa, Kanada und ein paar wenige aus China und Japan. Das diesjährige Thema sind die Universiaden, Studenten-Weltsportspiele, die dieses Jahr ebenfalls in Harbin ausgetragen werden. Doch wie alles, was in China Besucher anzuziehen verspricht, war auch dieser Ort auf inländische Gruppentouristen ausgerichtet (die auch 90% der Besucher ausmachten). Im Schneepark standen gigantische Schneeskulpturen zu völlig willkürlichen Themen in wiederum völlig willkürlicher Reihenfolge zur Besichtigung (Besteigung, Betretung), alles in Themenpark-Atmosphäre gehalten. Die Gebäude in der Snow and Ice Ausstellung waren zwar vielfältig in Auswahl und Gestaltung, die Erläuterungen dazu aber nicht sehr aufschlussreich ("Typical Norwegian Church", "Typical Canadian Castle"); dazwischen liess sich auch immer wieder eine "Typical European Architecture Creation" finden.

Mehr als die Sehenswürdigkeiten hat uns das Essen gefallen, preiswerter und oft besser als in BJ. Und das Harbin Bier, das im Vergleich zum Yanjing Pijiu und dem Qingdao/Tsingtao aus Shandong (obwohl das ja von Deutschen gegründet sein soll) einen richtigen Geschmack hat. Wir schliefen jede Nacht etwa 10 Stunden, wohl wegen der ungewohnten Kälte. Am dritten Tag gingen uns die Sights aus und wir bummelten uns durch bis zur Heimfahrt, die wir königlich auf den Hotel-gebuchten Couchetten verbrachten (alles scheint königlich neben Stehplätzen). Zurück in Beijing freuten wir uns der warmen 0° Temperatur und waren erleichtert, wieder "zu Hause" zu sein.
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11/25/2008

Ein Fährtchen nach Jinan

Vor einem halben Monat hab ich zum ersten Mal die traute Beijinger Umgebung verlassen und bin für ein Wochenende in die kleine Provinzstadt Jinan (Shandong Provinz, 6 Mio Einwohner) gereist. Vom eindrücklichen Beijing Nanzhan fuhr ich drei Stunden im Schnellzug südwärts und kämpfte mich mit chinesischer Hilfe durch eine Geschichte im "故事报", den ich am Bahnhof gekauft hatte. Um 18:00, kam ich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt des Tages in einer wenig beleuchteten Stadt an, fand nach 30 Minuten auch endlich ein Taxi, dessen Fahrer mich im langsamen Verkehr ein fröhliches Stündlein in Putonghua unterhielt, viel reiner und leichter als das rrr-verformte, teils kaum verständliche Beijinghua der Hauptstadt ...
Über Couchsurfing hatte ich einen Schlafplatz im Dormitory der Shandong University gefunden. Gastgeber + Freundin führten mich auf den Qianfoshan mit seinen skurrilen Buddha-Statuen aus der Tang-Dynastie und dann auf einen kleinen Kulturmarkt mit der ironischen Erklärung, soeben die Hälfte von Jinan's Sights gesehen zu haben. Jinan ist vor allem bekannt für seine schönen Quellen ("City of Springs") und Parks, wonach uns die Laune an diesem dunklen Tag aber nicht wirklich stand, und wofür es, wie ich dann am Sonntag sah, auch nicht gerade die Jahreszeit ist. Sonntag traf ich eine chinesische Freundin, mit der ich seit Yantai Kontakt habe, und die jetzt in Jinan Deutsch studiert. Wir verbrachten nur ein paar Stunden zusammen, da sie am Morgen Unterricht und am Abend Party Meeting hatte...
Das Wetter hatte aufgeklart, und ich hatte erst für Montag einen Zug nach Beijing zurück gefunden, so kaufte ich spontan und wieder um die vollste Zeit (was will man machen?) noch ein Ticket für den Putongche (der Zweitklass/Bummel-Zug) nach Tai'an am Fusse des Taibergs. Ich hatte Glück und kriegte noch einen Stehplatz. Obwohl der Zug zum Brechen voll war, wurde das Snack-Wägeli mit ach und krach durchgeschoben. In Tai'an liess ich mich überreden, ein paar Stunden im Hotel zu bleiben. Auch um Zimmerpreise muss man verhandeln.
Taishan ist einer von den fünf heiligen Bergen des Taoismus, zu dem seit 3000 Jahren gepilgert wird. Dazu ist er berühmt für seine Sonnenaufgänge. Um 12 Uhr nachts begann ich den Aufstieg zeitgleich mit zwei Studenten, die ich am Fuss des Bergs antraf. Zusammen froren wir uns durch knapp vier Stunden Treppensteigen und insgesamt zwei Stunden Pause, bis dass endlich der Morgen graute und uns auch ohne Sonnenaufgang einen stimmungsvollen Tagesbeginn bescherte. Die Sonne kam dann um 8 Uhr doch noch hervor, und ich rannte beflügelt den Berg hinab und auf den 10 Uhr Zug.
Der war nicht so übervoll wie am Tag vorher. Als ich Platz nahm, sass mir gegenüber der schönste Chinese, der je gesehen ward. Erfahrungsgemäss sind solche Exemplare so selten, dass mir gleich alle Geistesgegenwart für eine passende Reaktion schwand. In unserem bisschen Smalltalk brachte ich in Erfahrung, dass er Sportstudent war. Das kann man lustigerweise neben ihrer Seltenheit als das zweite Hauptcharakteristikum von ausländische Frauen anziehenden Chinesen bezeichnen. In Jinans Bahnhof schwand er mir aus den Augen. Gebrochenen Herzens kehrte ich zurück nach Hause.
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9/03/2008

CH-CA-CN


Nach abgeschlossenem Putzmarathon und erfolgreicher Hausübergabe verabschiedeten Magdalena und ich uns von unseren Basler Freunden, während Maria mit Christina und Lucienne die letzte Nacht in der Schweiz bei den Berner Grosseltern verbrachten. Am Zürcher Flughafen trafen wir am 1. August frühmorgens zusammen und traten nach letzten Adieus von Heidi und Yasar und Magdalenas "Komitee der Allerliebsten" den langen Flug nach Toronto an. Trotz vieler Tränen und kaputter Video-Bildschirmen ausgerechnet an unseren Sitzen (hinterhältig & gemein!) kamen wir um 3 Uhr Nachmittags Ortszeit wohlbehalten auf kanadischem Boden an und wurden von Jakob, der vor uns noch an einer Veterinär-Konferenz in Vancouver teilgenommen hatte, mit einem mega-posh-Mietgefährt (Dodge - und etwas) sogleich nach Guelph in ein B&B unweit des zukünftigen Heimes chauffiert. Abends bei Fish&Chips erhielten wir einen ersten Eindruck des verschobenen kanadischen Dimensionsgefühls.

Gleich am nächsten Tag führte uns eine kanadisch-schweizerische Familie, nachdem sie uns beim Kauf eines Occasion-Autos geholfen hatte, zu den Niagarafällen und ins "Swiss Chalet" - ein Restaurant dessen BBQ-Angebot nicht unbedingt für
Heimatsgefühle, für Genuss aber sicher sorgte. In den nächsten Tagen in Guelph lagen wir Kinder vor allem müde herum, während die Eltern die letzten Dinge organisierten, bevor wir auf Landeserkundigung aufbrechen konnten. Auf einem Stadtspaziergang sahen wir ein wenig von der Stadt und auch den Lake Guelph, ein Stausee in der Nähe, lernten wir kennen.

Ende der Woche endlich fuhren wir von B&B-Hotel fort und in den Sandbanks Provincial Park am Lake Ontario. Dort, an einem der Great Lakes, erklärte uns die Weite des Landes, warum alles hier so grosszügig angelegt ist - für uns Bewohner des dichtbesiedelten Europas so ungewohnt. Die Wellen des Ontariosees lockten uns wie ein Süsswassermeer und wir alle vier Mädchen spielten, bis wir so erschöpft waren, dass die Eltern uns bekochten und wir alle ohne abzuwaschen um 9 Uhr ins die Schlafsäcke krochen. Nach zwei Nächten gingen wir weiter nach Ottawa, von wo uns die Grossmutter einer weiteren befreundeten Familie kanadischen Ursprungs zu ihrem Cottage in Val des Bois (nördl. von Gatineau) im Québec führte.

Dort verbrachten wir eine sehr enstpannte Woche in allem Luxus, den ein Häuschen mit Kanu und Kajak an einem stillen moorigen Stausee bietet. Jakob und Lulu fingen am ersten Tag unlizenziert einen Fisch, wir assen Pancakes mit Ahornsirup und Pancakes mit Ahornsirup und Pancakes mit Ahornsirup und paddelten über den See und sonnten uns und spielten und wanderten durch den Gatineau-Park, blickten von der Pierre de Niton auf Ottawa und die Ebene des Ottawa Rivers hinab, und schrieben Briefe an die Schweiz. Val des Bois ist wirklich ein verwunschener Ort. Nur ungern verliessen wir ihn am Ende dieser schönen Woche, um über Montréal und Québec City nach Tadoussac am St. Lorenz-Strom zu gelangen.

Tadoussac liegt an der Mündung des Saguenay-Fjords (einer der wenigen kanadischen Fjorde) und des St. Lorenz in den Atlantik. Die Tiefe des Beckens, wo der Saguenay-Fluss und der St. Lorenz zusammenfliessen, bewirkt eine Schichtung des warmen Süsswassers und des kalten Meerwassers. Ideale Bedingungen für Phytoplankton und Krill - und deshalb sommers viel besucht von Walen, die im Norden ihre Fettreserven anlegen für die winterliche Fortpflanzung im Süden. Mit einem Motorboot fuhren wir auf Erkundung aus und beobachteten die grossen Wasserfontänen der Finnwale und die Schwanzflossen-Schau einiger Buckelwale. Vom Cap du Bon Désir, einem Felsen direkt am Meer, kamen kleine Finnwale bis auf 30 Meter heran und zeigten bei der spektakulären Oberflächen-Nahrungsaufnahme auch die Unterseite ihrer grossen Mäuler. Einen Blauwal sahen wir leider nicht ... Dafür hatten wir ein weiteres Mal grosses Glück, als wir Beluga-Wale ein Stück weiter hinten im Fjord in der Baie St. Marguerite besuchten. Bei Tadoussac lebt die südlichste Beluga-Kolonie und Forscher arbeiten intensiv mit ihnen und den Touristen. In den Schutzzonen wurden wir kompetent unterrichtet über Biologie, Sozialverhalten, Sprachsystem und auch über die Geschichte der Wal-Jagd bis heute.

Wir besuchten auch ein Indianer-Reservat beim Lac St. Jean, den Saguenay-Fluss ein recht
weites Stück hinauf. Gleich vor dem Museum wurde ein Mann verhaftet; Neben Alkohol, Drogen und Armut sprang aber auch das Engagement der Mashteuiatsh für den Erhalt ihrer Geschichte & Kultur und für Gehör bei den kanadischen Behörden. Die Problematik bleibt aktuell. Im gut ausgestatteten Museum sahen wir einen Film über traditionelles Jagen und Fischen, Handwerker zeigten, was ihnen ihre Eltern und Grosseltern gelehrt hatten und wir lasen viel über Kolonisation und Missionierung und eben auch Verdrängung dieses Volkes.

Nach vier Nächten fuhren wir zurück nach Québec City, direkt ins 400-Jahres-Jubiläum der Stadt hinein. In dieser Stadt fühlte ich mich plötzlich "vertrauter", weil die Strassen und Häuser viel europäischer (enger) gebaut waren. Neben Militärmusik-Paraden und Strassentheatern erlebten wir auch ein rührseliges gratis Openair-Konzert von Céline Dion zusammen mit 10000 stolzen Québécois.

Als letzte Reise-Etappe gastierten wir auf einem Gänse-verschissenen-und-mücken-bewölkten-aber-sonst-wunderschön-gelegenen Campingplatz am Ontariosee und besuchten das Upper Canadian Village, eine Art Ballenberg-Freilichtmuseum. Das Dorf aus den 1860ern beherbergte eine Sägerei, eine Kornmühle, eine Bäckerei, ein Gasthaus, einen Fassbinder, eine Kirche etc, und die Museums-Leute gaben kompetent und unterhaltsam Auskunft. Hier fanden wir endlich wieder einmal Vollkornbrot, das wir sogleich genüsslich aufassen, und dann gelangten wir nach einer langen Heimfahrt und einem letzten Mal Tim Horton's zum Znacht in Guelph an.

Die letzten Tage, die ich in Kanada erlebte, waren mit Auspacken, Einrichten und Einkaufen gefüllt, und ich bin sehr froh, vor der grossen Reise noch so vieles mit der Familie erlebt zu haben. Alle begleiteten mich an den Toronto Airport und ich konnte den Flug wohlgemut begehen.